Das Projekt „Territories of Life“ zielt darauf ab, das Wohlergehen und die Lebensgrundlage von 25.000 Indigenen aus 18 verschiedenen ethnischen Gruppen in Kolumbien zu verbessern. Dazu gehört auch, die Gemeinschaften zu befähigen, die Verwaltung ihrer Territorien selbst in die Hand zu nehmen und ihr traditionelles Wissen weiterzugeben – für eine nachhaltige Zukunft der indigenen und bäuerlichen Gemeinschaften.

Traditionelles Wissen bewahren

Gruppenbild der Mitglieder von sieben Gemeinschaften aus dem Papurí-Tal und dem Caño Inambú-Tal © Christhian Piemento
Gruppenbild der Mitglieder von sieben Gemeinschaften aus dem Papurí-Tal und dem Caño Inambú-Tal © Christhian Piemento

Das Projekt liegt im biokulturellen Korridor, der den Amazonas und den Orinoco verbindet. Genauer gesagt die drei Regionen Vaupés, Gaunía und Vichada.

In Vaupés verfolgen rund 79 indigene Gemeinschaften einen Ansatz zur Stärkung der Selbstverwaltung, der auf der Rückbesinnung auf den Wert des traditionellen Wissens beruht.

Ein Komitee aus Mitgliedern von sieben Gemeinschaften aus dem Papurí-Tal und dem Caño Inambú-Tal nahe der Grenze zu Brasilien hat diesen Prozess bereits begonnen: Bei einem Treffen diskutieren sie über die Wichtigkeit des Erhalts kultureller Praktiken und über die Möglichkeit, sich selbst als „Territory of Life“ autodeklarieren zu lassen.

Dazu haben die Gemeinden Methoden zum Management und zum Monitoring ihres Territoriums eingeführt, die indigenes Wissen mit neuesten Technologien verbinden. Unsere Partnerorganisation CEMI stellte dafür beispielsweise GPS-Geräte, Messkits, Kamerafallen und Karten zur Verfügung.

Das eigene Territorium kennen

Auf den Spuren ihrer Heimat: Die Männer der indigenen Gemeinschaft beim Monitoring im See © WWF Kolumbien
Auf den Spuren ihrer Heimat: Die Männer der indigenen Gemeinschaft beim Monitoring im See © WWF Kolumbien

Auf gemeinsamen Expeditionen haben die indigenen Gemeinschaften mit diesen Instrumenten ihre Territorien teilweise zum ersten Mal vollständig bereist und kartographiert und die dort lebenden Tierarten identifiziert.

Diese Aktivitäten basieren auf dem Ansatz des ethnobotanischen Monitorings. In Zeremonien legen die Gemeinschaften fest, welche Pflanzen- und Tierarten sie für ihre Ernährung benötigen oder als Heilkräuter, für Rituale oder Handwerk verwenden. Das Monitoring ermöglicht es, den Zustand des Waldes und der Tierpopulationen zu verstehen, zu verfolgen und im Notfall Gegenmaßnahmen zu ergreifen, während gleichzeitig die Kultur der Gemeinschaften am Leben erhalten wird.

Für die Mitglieder des Komitees sind diese Maßnahmen nicht nur eine Bekräftigung ihrer Identität als indigene Gemeinschaft, sondern auch eine erneute Verpflichtung zu ihrer Rolle als Führer:innen und Hüter:innen ihres Volkes.

„Dies ist ein Neuanfang für unsere Kultur. Wir verpflichten uns, bei der Gestaltung der Zukunft eine führende Rolle zu übernehmen und unsere Identität als indigene Ost-Tukano zu bewahren.“

Mitglied des Komitees aus Papurí-Tal und dem Caño Inambú-Tal

Verwaltungsstrukturen in Guainía und Vichada

Kakaobohnen werden zu Schokolade verarbeitet © Luis Barreto / WWF-UK
Kakaobohnen werden zu Schokolade verarbeitet © Luis Barreto / WWF-UK

Mehr als 200 Gemeinschaften aus vier indigenen Gebieten haben in der Stiftung Etnollano einen Verbündeten gefunden, um ihre territoriale Autonomie zu festigen.

Die Gemeinden des Oberen und Unteren Guainía und von Atabapo-Inírida haben an der Einführung von indigenen Gebietskörperschaften (Entidades Territoriales Indígenas, ETI) gearbeitet. Diese sollen Prozesse stärken, die eine Verwaltung der Territorien nach indigenen Traditionen ermöglichen und die indigene Selbstverwaltung fördern und festigen.

In Gebieten wie dem mittleren Flussgebiet des Guaviare und der Orinoco-Region des Matavén-Regenwaldes unterstützt Etnollano die Etablierung von Produktionsalternativen im Zusammenhang mit Kunsthandwerk, Tourismus und der Produktion von hochwertigem Kakao und Mañoco als integrale Naturschutzstrategien. Dies geschieht im Dialog mit der indigenen Bevölkerung und stärkt Lebensmittelproduktionssysteme, die sich zwischen Tradition und neuen Vorschlägen aus der Agrarökologie bewegen.

Diese Prozesse ermöglichen es den Menschen, in der Region zu bleiben, wirken illegalen oder ausbeuterischen Wirtschaftsaktivitäten entgegen und stärken kulturelle Praktiken der Wald- und Wasserbewirtschaftung. Auch die Rolle der Frauen hat an Bedeutung gewonnen. In verschiedenen Projekten wird ihre aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen und am biokulturellen Monitoring ihrer Gebiete gefördert.

Das mystische Grenzgebiet zwischen Venezuela und Kolumbien: Estrella Fluvial Inírida © Christhian Pimiento / WWF Kolumbien
Das mystische Grenzgebiet zwischen Venezuela und Kolumbien: Estrella Fluvial Inírida © Christhian Pimiento / WWF Kolumbien

Was ist die Estrella Fluvial de Inírida?

Die Estrella Fluvial de Inírida (EFI) ist ein einzigartiges Gebiet im Herzen des kolumbianischen Amazonas.

Es ist ein riesiges Mosaik aus Wäldern, Savannen und Feuchtgebieten, in dem drei unterschiedlich gefärbte Flüsse zusammenfließen und den Orinoco speisen. Es ist ein wichtiges Gebiet für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Im Jahr 2014 wurde die Region aufgrund ihres Arten-, Wasser- und Kulturreichtums als Ramsar-Gebiet ausgewiesen; eine Auszeichnung für Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung. Das ausgewiesene Gebiet umfasst 253.000 Hektar und beherbergt mehr als 900 Pflanzenarten, mehr als 470 Vogelarten, mehr als 470 Fischarten, 200 Säugetiere und 40 Amphibien.

Estrella Fluvial Inírida: Gemeinschaft und Naturschutz mit dem WWF

Die Ergebnisse werden in Listen zur Nachverfolgung eingetragen © WWF Kolumbien
Die Ergebnisse werden in Listen zur Nachverfolgung eingetragen © WWF Kolumbien

In der Estrella Fluvial del Inírida (EFI), die 2014 als Ramsar-Gebiet anerkannt wurde, haben mehrere indigene Gruppen, die vom Verzehr und Verkauf von Fisch leben, einen Schwerpunkt auf das Monitoring der Unterwasserwelt gelegt. Durch die Bestimmung von Größe, Geschlecht und Geschlechtsreife der verzehrten Fische soll die Entwicklung der Fischbestände über einen längeren Zeitraum erfasst und verglichen werden, um die Ernährungssouveränität zu sichern und der Gefahr der Überfischung entgegenzuwirken.

In der EFI haben indigene und bäuerliche Gemeinschaften zudem ein Modell der territorialen Selbstverwaltung entwickelt, das den Schutz der biologischen Vielfalt mit nachhaltiger Entwicklung in Einklang bringt. Der WWF führte hier Workshops zu indigenen Rechten und Selbstbestimmung durch.

Im Rahmen des Projekts wurde das EFI-Ramsar-Büro in seiner Rolle gestärkt. Gegründet von Mitgliedern indigener und bäuerlicher Gemeinschaften, besteht dieses Organ aus bäuerlichen, lokalen und indigenen Gruppenvertreter:innen der Region und spielt unter anderem in der Abstimmung gemeinsamer Tourismus- und Kommunikationsstrategien eine entscheidende Rolle. Das Büro wird aber auch für Workshops zu speziellen Rechten der indigenen Bevölkerung und angrenzender Gemeinschaften genutzt.

Zu diesem Zweck hat der WWF beispielsweise ein Kommunikationskollektiv gegründet, das die Geschichten und Schönheiten der Region nach außen trägt. Im Ramsar-Büro werden aber auch gemeinschaftliche Monitoring-Prozesse entwickelt, zum Beispiel zu nachhaltiger Fischerei und Tourismus, und die Stimmen aller indigenen Gemeinschaften gehört.

Selbstverwaltung stärkt die Gemeinschaften

Die Stärkung der Selbstverwaltung hat es den Gemeinschaften ermöglicht, sich zu organisieren, um Prioritäten für den Schutz und die Entwicklung zu setzen. „Dank dieses Projekts werden unsere Stimmen gehört und unsere Territorien respektiert“, so eine lokale Anführerin. 

Auch wenn es weiterhin Herausforderungen gibt, sorgen widerstandsfähige Gemeinschaften mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dafür, dass dieser biokulturelle Korridor ein lebendiges Beispiel für Nachhaltigkeit und Hoffnung für zukünftige Generationen bleibt.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Unterstützen auch Sie uns beim Schutz indigener und traditioneller Völker Kolumbiens

  • Mädchen während der Dabucurí-Zeremonie im Resguardo El Itilla, Guaviare in Kolumbien © CEMI/ Ana María Zuluaga Territories of Life: Indigene Territorien schützen

    Das WWF-Projekt „Territories of Life“ hat das Ziel, das Wohlergehen und die Lebensgrundlage von 25.000 Indigenen aus 18 verschiedenen ethnischen Gruppen zu verbessern. Weiterlesen ...

  • Das Land der indigenen ist von Brandrodung bedroht © Andre Dib / WWF-Brazil Indigenes Land, bedrohtes Land: Kampf um den Amazonas

    Immer wieder müssen die Indigenen zusehen, wie ihr Wald niedergebrannt wird. Obwohl sie im Recht sind. Denn im Grunde ist es ihnen zu verdanken, dass es den Amazonas überhaupt noch gibt. Weiterlesen ...