Der Salonga-Nationalpark im Kongobecken in Afrika ist Weltnaturerbe und eines der größten Regenwaldschutzgebiete unserer Erde. Doch trotz seiner globalen Bedeutung ist er noch kaum erforscht. Eine herausfordernde Expedition schließt wichtige Wissenslücken.

Stundenlange Wanderungen durch Sumpfwälder auf verfallenen Holzstegen, Zelten in der Wildnis, heftige Regenfälle, Arbeit tief in der Nacht und ganztägige Fußmärsche mit bis zu 700 Kilogramm Ausrüstung und Verpflegung: Rund drei Wochen lang erkundete eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern Ende 2022 den schwer zugänglichen Salonga Nationalpark. Seiner Abgeschiedenheit ist es zu verdanken, dass sich über Millionen von Hektar noch intakter Regenwaldwald erstreckt. Neben Waldelefanten, Bonobos oder Kongopfauen leben hier vermutlich unzählige bisher unentdeckte Arten. Doch wie erforscht man Spinnen, Vögel, Schildkröten und andere Tiere, die selten von Kamerafallen erfasst werden, in derart unerschlossenem Gebiet?

Schier unerreichbar und gefährlich

In der Vergangenheit war der Salonga Nationalpark hauptsächlich über seine Flüsse und mitunter 1500 Kilometer lange Bootsfahrten zu erreichen. Doch nicht allein die geografische und logistische Abgeschiedenheit machte es schwierig, seine Artenvielfalt zu erforschen. Gefahren durch den Bürgerkrieg, durch Rebellengruppen und die Präsenz bewaffneter Wildererbanden erschwerten lange Zeit fast alle wissenschaftlichen Untersuchungen.

Seit Stabilisierung der politischen Lage und einem verbesserten Management des Nationalparks, an dem der WWF beteiligt ist, nehmen die Forschungsaktivitäten wieder zu. Auch dank einzelner, kleiner Landebahnen, die an strategisch wichtigen Orten geschaffen wurden und werden. Einer dieser Orte ist das Dorf Monkoto im Korridor zwischen dem Nord- und Südflügel Salongas. In Monkoto liegt das Hauptquartier des Nationalparks, das als Basislager für die Express-Expedition diente. Von hier aus starteten insgesamt acht internationale Spezialisten und lokale Wissenschaftler in zwei verschiedene Camps im primären Tieflandregenwald von Salonga. 

Man kann nur schützen, was man kennt

Bei aller Abgeschiedenheit schwinden auch im Nationalpark Salonga Natur und Lebensräume und die Wilderei ist eine allgegenwärtige Bedrohung. Erklärtes Ziel der Expedition in Salonga ist deshalb: Einige der intaktesten, aber am wenigsten erforschten Waldökosysteme Zentralafrikas besser verstehen und dadurch zu ihrem Erhalt beitragen zu können. Im Mittelpunkt standen dabei bewusst biologische Gemeinschaften, die bisher relativ wenig Beachtung gefunden haben. Von einigen Arten konnten zum ersten Mal im Feld Geräusche und Bilder dokumentiert werden.

Salonga ist durchzogen von Flüssen, Bächen, und Überschwemmungsgebieten. Die Erforschung kleiner Fischarten in unauffälligen Lebensräumen wie Rinnsalen und temporären Tümpeln bildete ebenfalls einen der Schwerpunkte der Expedition. Die Ergebnisse zeigen eine erstaunliche Fischvielfalt. Insgesamt untersuchte die Expedition vier große Gemeinschaften in Salonga: Fische, Amphibien und Reptilien, wirbellose Tiere und Vögel.

Expedition deutet auf noch mehr Artenreichtum

Drei Wochen sind keine lange Zeit für eine Expedition. Die vielen Neuentdeckungen der Wissenschaftler in der Kürze der Probenahme zeigen, wie wenig erforscht die Region bisher ist und wie viele weitere unbekannte Arten wahrscheinlich noch in Salonga leben.

Um die biologische Vielfalt und den Erhaltungszustand des Nationalparks besser zu verstehen, sind weitere Langzeitstudien über ein breiteres Spektrum von Pflanzen- und Tiergruppen erforderlich. Die Forschungsherausforderung für ein so großes Gebiet und ein so vielfältiges Ökosystem ist immens, erfordert ein vielfältiges Fachwissen und kann nur durch gemeinsame und international verstärkte Anstrengungen bewältigt werden.

Persönliche Erfahrungen der Expedition

Die Expedition wurde in Zusammenarbeit mit BINCO (Biodiversity Inventory for Conservation) durchgeführt, einer in Belgien ansässige Organisation, die sich auf die Bewertung und Überwachung der biologischen Vielfalt spezialisiert hat.

So können Sie helfen:

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