Die Provinz Long An befindet sich im nördlichen Teil des Mekong-Deltas. In Long An leben etwa 1,4 Millionen Menschen, meist in dem östlichen Teil der Provinz. Das Mekong-Delta ist von einem Netzwerk von Flüssen und Kanälen durchzogen. In der Regenzeit von Juni bis Dezember kommt es vor allem in den westlichen Teilen von Long An zu Überflutungen.

Plastikmüll im Meer

Müll am Mekong-Fluss © Heide Kerber
Müll am Mekong-Fluss © Heide Kerber

Der WWF ist in Vietnam mit einem Projektbüro in Hanoi und in Ho Chi Minh City vertreten und führt im Mekong Delta bereits andere Projekte zum Natur- und Umweltschutz durch.

Vietnam steht an vierter Stelle der Länder, von denen aus der meiste Plastikmüll in die Meere gelangt. Nach Berechnungen gehört der Mekong-Fluss zu den 20 bedeutendsten Eintragsquellen in die Meere. Ursache des Eintrags von Meeresmüll aus dem Mekong Delta sind die fehlenden Kapazitäten zur Abfallentsorgung, also Deponien, Verbrennungsanlagen und Anlagen für Sortierung und Recycling von Müll. Meistens wird der Müll in offenen Haufen in der Landschaft abgelagert, manchmal illegal in die Kanäle entsorgt oder kleine Müllhaufen liegen entlang der Straßenseiten.

Verschärfend kommt hinzu, dass durch die Überflutungen in der Regenzeit der abgelagerte Müll in die Flüsse und Kanäle gelangen kann.

Modellprojekt des WWF

Müllkippe in Long An © Stefan Ziegler / WWF
Müllkippe in Long An © Stefan Ziegler / WWF

Um die Gefahr des Eintrags von Müll in die Gewässer des Mekong-Deltas zu reduzieren, müssen die vorhandenen Deponien und Verbrennungsanlagen entlastet werden. Dies kann erreicht werden, wenn der Müll schon auf Haushaltsebene getrennt wird. So kann vor allem der hohe organische Anteil des Mülls heraussortiert und kompostiert werden. Plastikabfälle können dem Recycling zugeführt werden, statt im Meer zu landen.

In dem Projekt ist es in Zusammenarbeit mit der örtlichen Umweltbehörde DONRE vorgesehen, die getrennte Sammlung von Haushaltsabfällen in dem Distrikt Than Hoa zu testen und dieses Modellprojekt auf andere Distrikte und Provinzen im Mekong-Delta zu übertragen. Vor dem Start des Projektes wird untersucht, inwieweit die getrennten Müllbestandteile, sogenannte Fraktionen, im Markt aufgenommen werden, d.h. welche Absatzkanäle für den Kompost oder andere Wertstoffe existieren und sinnvoll genutzt werden können. Anschließend sollen spezielle Müllkarren mit getrennten Sammelbehältern beschafft werden, um von den Haushalten die einzelnen Wertstoff-Fraktionen getrennt einzusammeln. So wird die Menge des verbleibenden Restmülls deutlich reduziert und die neu geschaffenen Kapazitäten können dafür genutzt werden, die in der Landschaft herumliegenden Müllhaufen zu entfernen.

Wenn Projekte zur Abfallsammlung und Recycling durchgeführt werden, müssen die regionalen Besonderheiten berücksichtigt werden. Konzepte aus Deutschland können nicht einfach auf andere Länder übertragen werden. So leben im Mekong-Delta auch Menschen davon, bestimmte Verpackungsabfälle wie Getränkedosen oder Plastikflaschen einzusammeln und als Wertstoffe zu verkaufen. Diese Menschen und Kleinunternehmen müssen mit in das Projekt eingebunden werden. Der WWF wird das geplante Modellprojekt auch durch Kommunikationsmaßnahmen unterstützen. Dies bedeutet zum Beispiel, die Haushalte im Projektgebiet über die getrennte Sammlung von Wertstoffen auf Haushaltsebene zu informieren und für Unterstützung des Projektes zu werben. Sobald das Projekt auf andere Regionen in Vietnam übertragen werden kann, wird der Eintrag von Plastikmüll in Flüsse und Meere an der Quelle gestoppt werden können.

Projektreise 2024: Zu Besuch in Vietnam

Laura Griestop, Senior Manager Sustainable Business & Markets (Plastics) beim WWF Deutschland, war im Frühjahr 2024 mit ihrem Kollegen, Thomas Werner, in Long An, um sich die Situation vor Ort anzuschauen und sich über den Fortschritt des Projekts zu informieren. Von ihren Eindrücken erzählt sie in der Bildergalerie.

Projektfortschritt September 2022

Mitglieder der Jugendunion bei einer Schulung © WWF Vietnam
Mitglieder der Jugendunion bei einer Schulung © WWF Vietnam

Auch dieses Berichtsjahr stand im Schatten der weltweiten Covid-19 Pandemie. Bis in den Mai 2022 hinein kam es in Vietnam immer wieder zu länger anhaltenden Lockdowns. Projektaktivitäten mussten vor allem in der ersten Jahreshälfte immer wieder eingeschränkt oder gar gestoppt werden. Dennoch hat das neue Umweltschutzgesetz der vietnamesischen Regierung, welches Ende 2020 verabschiedet wurde und spätestens Dezember 2024 in Kraft tritt, einen wichtigen Einfluss auf die Ausgestaltung des Vorhabens geleistet. Die Provinz Long An hat als eine der ersten Provinzen landesweit mit der im Umweltschutzgesetz vorgeschriebenen Mülltrennung in Fraktionen bereits einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der gesetzlichen Vorlagen geleistet. Durch die Zusammenarbeit mit dem WWF konnte die gesetzliche vorgeschriebene Mülltrennung sowie die getrennte Abfuhr und Entsorgung bereits erfolgreich pilotiert werden.

Projektaktivitäten mussten im letzten Jahr und vor allem in den letzten Monaten immer wieder eingeschränkt oder gar gestoppt werden.

  • Durchführung der getrennten Abfallsammlung
    Seit etwas mehr als zwei Jahren wird in einem Distrikt der Provinzhauptstadt Tan An eine getrennte Abfallsammlung durchgeführt. Dieses Modell wurde sehr schnell von der Stadtverwaltung übernommen und auf mehr als 4.500 Haushalte ausgeweitet. Nach wie vor trennt die lokale Bevölkerung den Hausmüll sehr aktiv und ambitioniert. Die Trennquote liegt nach wie vor bei 85 Prozent und die Bereitschaft zur Mülltrennung ist in der vietnamesischen Bevölkerung insgesamt sehr hoch. Das vom Projekt vorgeschlagene Konzept der Nachkontrolle des Haushaltsmülls auf Sortenreinheit mit der anschließenden direkten Ansprache der „Müllsünder:innen“ hat sich bewährt. Die örtliche Müllabführ (URENCO) wurde mit zwei LKWs zur Abholung des Mülls unterstützt, darüber hinaus wurden 80 Rollcontainer und 9.760 Abfalleimer angeschafft. Das Vorhaben hat ebenfalls neue Arbeitsplätze generiert, denn URENCO hat weitere Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt wurden 12 weitere Müllsammler:innen, zwei Fahrer:innen, vier Arbeiter:innen sowie ein:e Teamleiter:in eingestellt. Der WWF hat in der Pilotphase die Gehälter des zusätzlichen Personals übernommen. Eine Weiterbeschäftigung des Personals ist gesichert, da die Stadt die getrennte Abfallsammlung weiterführen und auf andere Bezirke ausdehnen möchte.

  • Weiterverarbeitung der Abfall-Anteile
    Im Modellvorhaben Long An werden täglich etwa vier Tonnen organischer Abfall getrennt gesammelt, etwa 9,2 Tonnen Restmüll fallen täglich an. Nach der Abfalltrennung im Haushalt sowie der Kontrolle auf Sortenreinheit wird der Hausmüll mit Lastwagen zur Abfallbehandlungsanlage transportiert. Dort wurden großräumige Hallen für die Nachsortierung und Abfalllagerung eingerichtet. Gleichzeitig wurde dort eine Produktionslinie für Kompost installiert und pilothaft in Betrieb genommen. Eine kommerzielle Produktion von Kompost hat allerdings noch nicht stattgefunden. Durch den Verkauf von hochwertigem Kompost aus dem organischen Haushaltmüll können die Kosten für die Müllentsorgung deutlich reduziert werden. Durch die Nachsortierung des Abfalls werden täglich etwa 70 Kilogramm Kunststoff recycelt. Das Projekt vermeidet täglich direkt die Freisetzung von zirka 14 Kilogramm Kunststoffmaterial in die Umwelt. Bei einer Projektlaufzeit von etwa zwei Jahren beziffert sich diese Menge auf zirka 10,2 Tonnen (Stichtag: 23. September 2022).

  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit
    Der Erfolg des Vorhabens liegt sicherlich zu einem großen Teil an der intensiven Sensibilisierungsarbeit der direkt am Vorhaben beteiligten Haushalte. Informationen zum Projekt wurden kontinuierlich und vielfältig über verschiedene Medienformate verbreitet. Zeitungsartikel, lokale Radio- und Fernsehsender, mobile Lautsprecher der Stadtteile, Webportale der Provinz und der Stadt Tan An lieferten in vielfältiger Weise Information und Aufklärung zum Projektstart und seinem Verlauf. Dadurch wurde der direkten Zielgruppe wiederholt nahegebracht, wie wichtig es ist, Haushaltsmüll zu trennen. Das Volkskomitee der Stadt Tan An hat ein Team von Mitarbeiter:innen benannt, deren Aufgabe es ist, in neun städtischen Bezirken das Bewusstsein der Einwohner für die Einhaltung der Umweltschutzgesetze zu schärfen. Darüber hinaus wurde die Stadt Tan An vom WWF dabei unterstützt, 15 Schulungskurse mit insgesamt 942 Teilnehmern für 14 Gemeinden und Bezirke zur Vermeidung und Bekämpfung von Kunststoffabfällen zu organisieren und erfolgreich durchzuführen. Diese breite und kontinuierliche Unterstützung durch den WWF und der zuarbeitenden städtischen Behörden haben entscheidend dazu beigetragen, dass binnen kurzer Zeit etwa 85 Prozent der mehr als 4.000 Haushalte, Restaurants, Handelsdienste, Geschäfts- und Produktionseinrichtungen im gesamten Bezirk 3 die Sortierung von Bioabfällen, Rest- und Wertstoffen sowie deren termingerechter Sammlung erfolgreich durchführt. Einige an den Bezirk 3 angrenzende Straßen in den Bezirken 1 und 7 wurden ebenfalls bereits an dieses neue Abfallmanagementsystem angeschlossen.

Ein erfolgreiches Projekt

In seinem Pilotprojekt in der Provinz Long An im Mekongdelta in Vietnam hat der WWF im Zeitraum 2018 bis 2022 erfolgreich demonstriert, dass sich eine arbeitsintensive getrennte Sammlung des Siedlungsabfalls mit sofortiger Nachsortierung durch die Angestellten der städtischen Müllabfuhr sehr gut für Privathaushalte und Kleinbetriebe eignet. Das Modell hat nationalen Leuchtturmcharakter und bereits das Interesse von zahlreichen anderen Provinzen geweckt.

Zeitgleich hat der WWF die Novelle des vietnamesischen Umweltschutzgesetz begleitet. Die Provinz Long An hat als eine der ersten Provinzen landesweit mit der im neuen Umweltschutzgesetz vorgeschriebenen Mülltrennung bereits einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der gesetzlichen Vorlagen geleistet. Der WWF wird in der Provinz Long An weiter präsent sein und vor allem die Pilotierung eines ähnlichen Projekts im ländlichen Raum vorantreiben.

Der WWF sagt Danke!

KALDEWEI / WWF Kooperation
KALDEWEI / WWF Kooperation

Unterstützt wurde der WWF in diesem Projekt von KALDEWEI.

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