Unsere Kinder werden einmal die Zukunft unseres Planeten gestalten. Doch leider lernen sie in der Schule nicht immer eine Ernährung kennen, die ihrer Gesundheit und der Umwelt guttut. Ein WWF-Projekt in Thailand könnte Vorbild sein für viele Regionen unserer Erde.
„Wenn ich mit meinem Sohn auf den Markt gehe, erklärt er mir, welches Gemüse wir kaufen sollten“, berichtet Jintana Pridarat aus der Provinz Chiang Mai im Norden Thailands stolz. „Er erzählt mir von den Gerichten, die sie in der Schule gegessen haben – und welche Gemüsesorten darin enthalten waren.“
Jintanas Sohn Phuwanan ist erst knapp fünf Jahre alt. Er besucht eine kleine Schule in der noch stark bewaldeten Hochlandregion Thailands, die geprägt ist von den Ausläufern des Himalajas. Städte wechseln sich ab mit Bergdörfern, Reis-Terrassen und immer wieder dichtem Dschungel.
Wenn Essgewohnheiten Erdrutsche fördern
Phuwanans Schule bezieht ihre Lebensmittel inzwischen ausschließlich aus nachhaltigem Anbau von lokalen Kleinbauern und -Bäuerinnen. Das war nicht immer so. Denn auch in die Essgewohnheiten der ländlichen Regionen Thailands hat häufig Einzug gehalten, was schnell geht, günstig ist und aus Massenproduktionen stammt. Die industrielle Landwirtschaft jedoch schädigt die Umwelt, braucht Pestizide, Herbizide, chemische Düngemittel, Wachstumsbeschleuniger – und sehr viel Platz.
Immer mehr Wälder in Phuwanans Heimat fallen landwirtschaftlichen Monokulturen zum Opfer, vor allem für den Anbau von Futtermais für die Hühner- und Schweinezucht. Wasserressourcen werden verbraucht und verschmutzt, ausgelaugte Böden erfordern stetig weitere Abholzung für neue Ackerflächen. In der bergigen Region werden deshalb auch Hänge entwaldet, sozusagen kahlgeschoren, und die Gefahr von Erdrutschen steigt.
Schulgarten schon für die Kleinsten
An Phuwanans Schule gibt es jetzt einen Schulgarten, und schon Kinder ab drei Jahren lernen, ihr eigenes, frisches Gemüse auf naturnahe Weise anzubauen – ohne synthetische Dünger oder Pestizide. „Wir richten uns an die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft und legen den Grundstein für eine nachhaltige, gesunde und sichere Ernährung“, erzählt Lehrerin Sukanya Thongtha, die die Initiative leitet.
In Thailand beginnt die schulische Bildung bereits ab dem Kindergartenalter. Phuwanans Schule ist eine von zwei Pilotschulen für das WWF-Projekt rund um besseres Schulessen, das in Zukunft weiter ausgebaut werden soll.
Besseres Mittagessen im Mittelpunkt
Der Fokus des Projektes liegt auf einer gesunden und nachhaltigen Schulverpflegung. Dazu kommt spielerisches Lernen im Unterricht und im eigenen Garten. Schmackhaft sollen die Mittagessen sein und die Kinder nicht nur in ihrer Entwicklung optimal versorgen, sondern sie auch für gutes Essen begeistern.
Speziell geschulte Köche wie Nongyao Saensuwan verwenden ausschließlich lokale, biologische Zutaten: „Ich plane monatlich die Mahlzeiten gemeinsam mit der Schulleitung und einer Ernährungsberaterin und nutze dabei viele Gemüse-, Obst- und Reissorten von Bio-Höfen in der Region.“ Es gibt nun weniger Fleisch an der Schule, dafür eine größere Bandbreite an lokalen, teilweise in Vergessenheit geratenen Gemüsesorten.
Nachhaltigen Anbau fördern
Der WWF unterstützt die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Norden Thailands seit einigen Jahren in umweltschonenden Anbaumethoden und stellt nun die Verbindung zu den Schulen her. Kleine, nachhaltige landwirtschaftliche Betriebe haben es schwer, sich im Wettbewerb mit dem konventionellen Anbau zu behaupten; und vielen Verbraucher:innen ist nicht bewusst, welche Auswirkungen ihre Lebensmittelauswahl auf den Planeten hat. Das soll sich ändern, auch zum Schutz wertvoller Ökosysteme und Lebensräume für bedrohte Arten: Es gibt nicht mehr viele großflächig dichte Wälder in Thailand.
Bewusstsein schaffen
Lehrerin Sukanya Thongtha klärt ihre Schüler:innen altersgemäß über eine hochwertige, nährstoffreiche Ernährung und die gesundheitlichen Vorteile von Gemüse auf. Sie unterrichtet außerdem, wie Lebensmittel schonend zubereitet werden. Zum Beispiel erklärt sie, dass Blanchieren oder Dämpfen von Gemüse mehr Nährstoffe erhält als Braten. Die Kinder ermutigt sie dazu, ihr Wissen mit ihren Familien zu teilen.
Ernährungsexpert:innen schulen die Lehrkräfte im Projekt. Sie schärfen außerdem auch außerhalb der Schule das Bewusstsein für die Bedeutung nachhaltiger Lebensmittel und einer gesunden Ernährung in Workshops und anderen Veranstaltungen in den Gemeinden.
FFT: Die Future Food Together Initiative des WWF
Insgesamt 265 Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern, Gemeinden und die kleinbäuerliche Landwirtschaft vor Ort profitieren derzeit von dem Pilotprojekt für besseres Schulessen in Thailand. Immer mehr sollen es werden, landesweit und in anderen Ländern.
Das Projekt ist Teil der WWF-Initiative Future Food Together, deren Ziel man mit „Gemeinsam für eine zukunftsfähige Ernährung“ übersetzen könnte. Es geht darum, unsere Agrar- und Ernährungssysteme umzugestalten, die für Mensch und Umwelt zunehmend zur Belastung geworden sind. Denn unser aller Ernährung kann einen großen Teil zum Umwelt- und Naturschutz beitragen und helfen, nachfolgenden Generationen eine lebendige Erde zu erhalten.
Besser essen für unsere Erde
Die Agrar- und Ernährungssysteme weltweit müssen dringend weg von Landzerstörung, Monokulturen und Pestiziden hin zu naturnaher, biologischer Landwirtschaft, natürlicher Schädlingsbekämpfung und neuen lokalen Märkten. Um das zu erreichen, verknüpft die „Future Food Together“-Initiative Produktion und Konsum wieder mehr miteinander und arbeitet eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen.
Phuwanans Mutter Jintana Pridarat ist überzeugt, dass die Schulmahlzeiten eine großartige Möglichkeit sind, die nächste Generation aufzuklären. „Den Kindern wird Wissen über lokale Lebensmittel nähergebracht. Sie lernen eine größere Vielfalt an Zutaten schätzen und ihre Entwicklung und Gesundheit wird gefördert.“ Ziel ist nun, dass die Kinder mit diesem Wissen aufwachsen und es an ihre Familien und später die eigenen Kinder weitergeben.
„Future Food Together“ wird gefördert von der Internationalen Klimaschutz Initiative (IKI) des Bundesumweltministeriums und seit 2017 vom WWF Deutschland gemeinsam mit den lokalen WWF-Büros in verschiedenen Ländern des Globalen Südens (Thailand, Indonesien, Philippinen, Kambodscha, Kolumbien, Paraguay) umgesetzt.
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