Mit allen Wassern gewaschen: Pionierarbeit im Bananenanbau
Stand: 05.09.2024
Im Norden Kolumbiens ist der wasserintensive Bananenanbau die wichtigste Einkommensquelle, aber Wasser wird zunehmend knapp. Im gemeinsamen Projekt von EDEKA und WWF sind 19 Farmen in Kolumbien und Ecuador für ihr nachhaltiges Wassermanagement mit dem AWS-Standard zertifiziert. Wir haben der Farm „Sami“ einen Besuch abgestattet.
Am Nordzipfel Südamerikas treffen Gegensätze aufeinander: karibische Sandstrände und verschneite Berggipfel, Touristenstädte und arme Dörfer, Wüste und Dschungel. In dieser Ecke Kolumbiens, unweit der Stadt Santa Marta, befindet sich die Bananenzone, wo in riesigen Monokulturen Bananen angebaut werden. Zwölf Farmen sind neben sieben Farmen in Ecuador Teil des gemeinsamen Projekts für „eine bessere Banane“ von WWF und EDEKA. Begleitet von Expert:innen der Naturschutzorganisation arbeiten die Farmen seit 2014 daran, die intensive landwirtschaftliche Produktion Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten.
Eine von ihnen ist „Sami“. Die Farm produziert auf 155 Hektar (Stand Juli 2021) Bananen der Sorte Cavendish und beschäftigt 145 Mitarbeitende. 220.000 Bananenstauden wachsen hier. Im Durchschnitt werden jede Woche 114 Tonnen Bananen geerntet – das ganze Jahr hindurch. Geleitet wird die Farm von Betsy Villanueva Granados, einer der wenigen Frauen in diesem Job.
Die ersten Bananenfarmen mit AWS-Standard
Für Betsy Villanueva und ihr Team gehören heute der Schutz der Biodiversität, Bodengesundheit und verringerter Pestizid- und Düngemitteleinsatz, Klimaschutz, ein geregeltes Abfallmanagement sowie Programme für Gesundheit und Arbeitssicherheit der Mitarbeitenden zum Alltag.
Und natürlich der Schutz des Wassers: Im März 2020 erhielten Sami und die anderen elf kolumbianischen Farmen im Projekt das Zertifikat der „Alliance for Water Stewardship“ (AWS) für nachhaltige Wassernutzung, als die ersten Bananenfarmen weltweit. „Das ist ein großer Erfolg für die Farmen und das gesamte Team“, sagt Dora Milena Zapata vom WWF Kolumbien, die die Umsetzung des Projekts im Land leitet. „Das Zertifikat erkennt die Bemühungen um den Gewässerschutz an, aber es nützt auch den Produzent:innen, denn es positioniert sie in ihrem Sektor und öffnet neue Märkte. So werden sie motiviert, noch sauberer, effizienter und nachhaltiger zu produzieren.“
Neues Bewässerungskonzept
Es ist 8 Uhr morgens. Schon seit 6 Uhr wird auf der Farm gearbeitet. Unsere Gummistiefel versinken in der nassen Erde, denn die Stauden wurden früh bewässert. Nur an wenigen Tagen im Jahr braucht es das nicht. „Der letzte Regen fiel vor vier Monaten“, sagt Villanueva. Dank des Projekts hat sich die Art der Bewässerung grundlegend verändert. „Früher haben wir die Farmen mit so viel Wasser aus dem Fluss versorgt, wie uns richtig erschien“, erklärt sie. „Heute bewässern wir nur so viel, wie die Pflanzen tatsächlich brauchen.“
Präzise Prognosen für jede Farm
Wie groß der Wasserbedarf ist, wird täglich neu berechnet. Jede Farm hat andere Bedingungen: Verdunstungsraten, Bodenbeschaffenheit, Anzahl Bewässerungsmotoren, Leitungskapazität etc. Zehn Wetterstationen liefern zusätzliche Daten wie Lufttemperatur, Windgeschwindigkeit, Sonneneinstrahlung und Regenmengen.
Morgens um 5 Uhr erhalten die Farmen eine automatisierte E-Mail mit Wassermengen und Bewässerungszeitraum. Die Software dahinter ist eine Eigenentwicklung des Bananenproduzenten Tecbaco, zu dem die Farmen gehören. „Für den AWS-Standard haben wir unsere Bewässerungsdaten weiter verfeinert und sparen jetzt gegenüber der ursprünglichen Methode 40 Prozent an Wasser ein“, sagt Fernando Gonzalez, Umweltverantwortlicher bei Tecbaco. Er und Kelis Navarro Salcedo, verantwortlich für Umwelt und Zertifizierungen der zwölf Projektfarmen, haben mit Unterstützung des WWF eineinhalb Jahre an der Umsetzung des Standards gearbeitet.
Viele Maßnahmen, die Wasser schützen
Auf dem Weg durch die Felder kommen wir zum Wasserreservoir. Es ist ein geschütztes Ökosystem mit vielen Tier- und Pflanzenarten. Von dort wird Wasser ins Bewässerungssystem gepumpt. Im Pumphäuschen stehen leere Tanks und Fässer. „Hier haben wir früher Düngerzusätze ins Wasser gemischt“, erklärt Betsy Villanueva. Heute wird das Unkraut auf den Feldern mit einer Motorsense geschnitten und liegen gelassen. Gleiches passiert mit Bananenstauden am Ende ihres Lebenszyklus. Der Boden erhält so zusätzliche Nährstoffe und trocknet weniger schnell aus. Im Gegenzug wird auf Herbizide verzichtet.
Wasser vor Giftstoffen schützen
Auch mit Insektiziden und Fungiziden gehen die Farmen heute zurückhaltender um. Nur bestimmte Stoffe sind zugelassen und nur so viel wie nötig. Neben manuellen Methoden gegen Pflanzenkrankheiten werden die Bananenstauden etwa einmal pro Monat aus der Luft besprüht.
Um die Verschmutzung mit Pestiziden zu reduzieren, wurden entlang des Reservoirs und der Bewässerungskanäle Pflanzen mit besonders grossen Blättern gepflanzt. Die sechs Projektfarmen, die an den Fluss grenzen, haben aus dem gleichen Grund Schutzzonen aus einheimischen Pflanzen zwischen Farmen und Flussufer eingerichtet. Diese Zonen wurden in den letzten Jahren von fünf auf zwanzig Meter erweitert.
Waschwasser wird aufbereitet
Vom Reservoir geht es zum Verpackungsbereich. An horizontalen Seilbahnen werden die geernteten, noch grünen Bananen dorthin transportiert. Rund zwanzig Mitarbeitende arbeiten an großen Wasserbecken. Das Wasser reinigt die Früchte und transportiert sie schonend von Station zu Station, wo sie geprüft, sortiert und schließlich verpackt werden.
Eine Aufbereitungsanlage, die 2017 in Betrieb genommen wurde, reinigt das Wasser und leitet es in die Becken zurück. „Die Farm Sami verbrauchte fürs Waschen normalerweise zwischen 2.800 und 3.000 Kubikmeter Wasser pro Woche“, erklärt Kelis Navarro, der Umweltverantwortliche der Projektfarmen. „Mit der Aufbereitung haben wir den Verbrauch auf 140 bis 150 Kubikmeter Wasser pro Woche gesenkt. Das sind 95 Prozent weniger. Ein riesiger Unterschied!“
Wirkung weit über die Farm hinaus
Nachhaltiges Wassermanagement braucht nicht nur Investitionen in die Infrastruktur. Mit einem Ausbildungsplan wurde allen Mitarbeitenden das Thema vermittelt. Ihr Wissen zum sparsamen Umgang mit Wasser teilen sie mit ihren Familien.
Auf regionaler Ebene wurde gemeinsam mit dem WWF Kolumbien eine Wasserplattform etabliert, über die öffentliche, private und kommunale Wassernutzer:innen im gleichen Einzugsgebiet dreimal pro Jahr zusammenkommen. Der AWS-Standard fordert diese Vernetzung ein. „Der Standard ist ebenso auf den öffentlichen Sektor ausgerichtet wie auf den privaten und den gemeinschaftlichen“, erklärt Dora Milena Zapata. „Denn er zielt nicht nur auf die individuelle Wassernutzung ab, sondern auf nachhaltiges Wassermanagement im ganzen Wassereinzugsgebiet.“
Nächste Verbesserungen schon im Visier
Auf Villanuevas Farm Sami und den anderen Projektfarmen gehen die Arbeiten zum Schutz des Wassers weiter. Unter anderem wird das Bewässerungssystem optimiert und die Schutzzonen an den Flussufern erweitert. In einem Jahr steht dann die Erneuerung des AWS-Zertifikats an.
Wo sieht Dora Milena Zapata die Herausforderungen der Zukunft? „Der Klimawandel bringt mehr extreme Wetterereignisse, der Druck auf die Ressource Wasser wird zunehmen“, sagt sie. „Wir werden zusätzliche Maßnahmen brauchen, um damit umzugehen und damit einhergehende Folgen wie Übernutzung, Verschmutzung und Sedimentierung zu vermindern.“ Auch dem WWF geht die Arbeit nicht aus.
Text: Martina Schäfer
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