Das grenzübergreifende Projekt „ŁośBonasus – Crossing!“ („Elch und Wisent – queren!“) unterstützt die natürliche Verbreitung der großen Pflanzenfresser von Polen nach Deutschland. Denn dank intensiver Schutzbemühungen erholen sich die Bestände beider Arten in Polen, sodass über kurz oder lang Wisent und Elch regelmäßig die Grenze nach Deutschland überqueren und sich hier langfristig ansiedeln könnten. Das Projekt soll ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben der großen Pflanzenfresser mit Bevölkerung, Politik, sowie Landnutzer:innen ermöglichen.

Der Ursprung von „LosBonasus – Crossing!“

Wisentbulle © Viktor Cap
Wisentbulle © Viktor Cap

Nach einer langen Abwesenheit von mehr als 250 Jahren, hat 2017 zum ersten Mal ein Wisent die Grenze von Polen nach Deutschland überquert. Die Wanderung des Wisentbullen fand jedoch ein schnelles Ende. Noch am selben Tag wurde das Tier auf Anweisung deutscher Behörden in Lebus (Brandenburg) abgeschossen. In Polen führte der übereilte Abschuss zu einem gesellschaftlichen Aufschrei, denn der Bulle war kein Unbekannter und Wisente stehen unter strengem Schutz in ganz Europa.

Durch diesen Vorfall wurde deutlich, dass klare Regeln, geschultes Personal und praxistaugliche Handlungsoptionen für den Umgang mit wiedereinwandernden Wisenten benötigt werden. Auch erste Zusammenstöße mit ein- und durchwandernden Elchen im Osten Deutschlands zeigen, wie dringend notwendig Lösungsansätze für das Zusammenleben mit beiden Arten sind.

Deshalb wurde das Projekt „ŁośBonasus – Crossing!“ im Jahr 2019 ins Leben gerufen. Es wird vom europäischen Kooperationsprogramm EU Interreg VA finanziell gefördert.

Was bedeutet „ŁośBonasus – Crossing!“?

Der Projektname ist eine Kombination aus dem polnischen Wort „Łoś” (Elch, [woɕ]), dem lateinischen Begriff „Bison Bonasus” (Europäischer Wisent) und dem englischen Wort „crossing” (überqueren der Grenze zwischen Polen und Deutschland). 

Der Name verdeutlicht: Wisent und Elch kennen keine Ländergrenzen; und die Zusammenarbeit zum Schutz der beiden Arten soll über die Grenzen von Polen und Deutschland hinausgehen.

Elch und Wisent – queren: Die Projektziele

Elchsichtungen sind in Deutschland eine Seltenheit. © Michael Gandl
Elchsichtungen sind in Deutschland eine Seltenheit. © Michael Gandl

Das Projekt „ŁosBonasus – Crossing!“ betrachtet die natürliche Rückkehr von Wisent und Elch in ihren angestammten Lebensraum nicht nur als einen großen Erfolg für den Naturschutz, sondern auch als Bereicherung der heimischen Artenvielfalt. Wisent und Elch betreten dabei jedoch Lebensräume, aus denen sie seit Jahrhunderten verschwunden waren. Die Menschen, die hier mittlerweile leben, sind das Zusammenleben mit großen Wildtieren nicht mehr gewohnt. Es kann zu Problemen kommen, wenn das Verhalten der Tiere die Bedürfnisse und Interessen der Menschen stört. Dazu zählen mögliche Fraß- oder Trittschäden an Bäumen und Äckern, Unfälle im Straßenverkehr sowie das Aufeinandertreffen von Mensch und Tier bei Ausflügen in die Natur oder bei der Jagd.

Alle Maßnahmen des Projektes sollen im Einklang mit den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen in der Projektregion erarbeitet werden. Denn nur, wenn die großen Wildtiere geschützt und gleichzeitig die Akzeptanz für die Tiere in der Bevölkerung vor Ort gestärkt wird, kann ein Zusammenleben langfristig funktionieren.

Die Projektpartner von „LosBonasus – Crossing!“

Die Verantwortung und Fürsorge für gefährdete Wildtiere wie Wisente oder bei uns selten vorkommende Elche endete bisher an nationalen Grenzen. Das Projekt „ŁośBonasus – Crossing!“ verfolgt deshalb eine länderübergreifende Herangehensweise, um diesen Schwächen im Wildtiermanagement von Wisent und Elch entgegenzuwirken. Im Vordergrund steht die grenzübergreifende Zusammenarbeit in Forschung, Management und Öffentlichkeitsarbeit, um eine friedliche Koexistenz von Mensch und Tier zu unterstützen. Durch das internationale Vorgehen sollen Ereignisse wie der Abschuss des aus Polen stammenden Wisentbullen im brandenburgischen Lebus 2017 verhindert werden.

In dem Projekt sind polnische Partner wie die Westpommersche Naturgesellschaft (Zachodniopomorskie Towarzystwo Przyrodnicze, kurz ZTP) vertreten, die einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit freilebenden Wisenten und Elchen haben. Aber auch deutsche Partner wie das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V. (ZALF), der WWF oder die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) tragen mit ihrem wissenschaftlichen Ansatz und politischen Verständnis zum Projekterfolg bei.

Projektförderung

Los Bonasus Crossing - Partnerlogo

Das Projekt „ŁośBonasus – Crossing!“ wird durch die Europäische Union aus Mitteln des Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative „Interreg VA Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg / Polen“ kofinanziert. Ziel der Initiative ist die Förderung der territorialen Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten und benachbarten Nicht-EU-Ländern. Das Programm fördert grenzübergreifende Maßnahmen der Zusammenarbeit u.a. im Bereich des Umweltschutzes.

Deutsche Postcode Lotterie

Die Aktivitäten des WWF im Rahmen des Projektes werden darüber hinaus unterstützt durch die Teilnehmer:innen der Deutschen Postcode Lotterie.

So können Sie helfen

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