Der Rote Panda (syn. Kleiner Panda, Katzenbär, Feuerfuchs) ist eine ganz besondere Tierart - nämlich die einzige seiner Familie. Doch der Katzenbär hat zunehmend Probleme: Schwindenden Lebensraum, Wilderei und Klimawandel.
Ein richtiger Bär? Oder doch eher eine Art Waschbär? Lange Zeit war sich die Wissenschaft nicht sicher, was der Rote Panda genau für ein Tier ist. Um die Verwirrung vollständig zu machen, gab der Erstbeschreiber des Roten Pandas, Frederic Cuvier der Art den Namen Ailurus fulgens (dt. Glanzkatze).
Heute weiß man: Das "schönste Säugetier auf Erden" – wie Cuvier den Roten Panda genannt hatte - ist weder Bär, noch Waschbär, noch Katze, sondern Teil einer eigenen Familie, die schon seit ca. 30 Millionen Jahren von seinen nächsten Verwandten, den Mardern, Stinktieren und Waschbären, getrennt ist. Die Vorfahren des Roten Pandas waren bis vor vier Millionen Jahren auch in Nordamerika und Europa verbreitet. Mit Beginn der letzten Kaltzeit und der damit verbreiteten Ausbreitung von Steppen und Wüsten sind diese Ahnen jedoch überall ausgestorben – außer in den Bergwäldern im Himalaya und seinen Randgebirgen in den Ländern Indien, Nepal, Bhutan, Myanmar und China.
Roter Panda auf der Roten Liste
Der Rote Panda lebt heute nur noch in wenigen Gebirgsregionen zwischen ca. 2.500 und 4.800 Metern Meereshöhe in Asien. Die größte Gefahr für ihn ist die Abholzung der Bergwälder. Der Lebensraum der Katzenbären ist inzwischen stark fragmentiert und mit Straßen, Siedlungen und anderer menschlicher Infrastruktur durchzogen. Das schneidet die Lebensräume der plüschigen Bergbewohner voneinander ab und erschwert den genetischen Austausch der Tiere. Neben dem Lebensraumverlust brachte seine Schönheit den Roten Panda an den Rand des Aussterbens: Wegen seines Fells wurde er erbarmungslos gejagt. Die Wilderei auf den Roten Panda ist zwar deutlich zurückgegangen, aber noch lange nicht erloschen. So kam es vor einigen Jahren in einigen seiner Verbreitungsgebiete trotz Jagd- und Handelsverbots wieder in Mode, sich mit den auffälligen rotbraunen Pelzmützen zu schmücken. Weltweit gibt es von diesen etwa ein Meter Gesamtlänge großen Katzenbären weniger als 10.000 geschlechtsreife Tiere. In den letzten zwei Jahrzenten ist die Population um 50 Prozent gesunken. Daher wird Rote Panda seit 2015 auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet eingestuft.
Bhutan: Land der Katzenbären
Seit 2019 widmet sich der WWF Deutschland dem Schutz der Roten Pandas in Bhutan, einem Himalaya-Staat nur etwa so groß wie die Schweiz und doch extrem wichtig für den Erhalt der Art. Viel weiß man nicht über die hier versteckt und vereinzelt lebenden Katzenbären. Aber in 13 von 20 Distrikten wurden die geheimnisvollen Tiere nachgewiesen – und ihre Zahl nimmt ab. Woher man immerhin das weiß? Rote Pandas machen ihre Hinterlassenschaften immer am selben Ort. Die bekannten „Panda-Klos“ bleiben aber immer häufiger ungenutzt. Neue entdeckt man selten. Zudem schlagen sich Panda-Expert:innen in Bambus-Gestrüppe und klettern auf Bäume. Dort suchen sie nach Kratzspuren. Die Erforschung der Bestände ist die wichtigste Grundlage für einen wirksamen Schutz!
Gen-Proben aus schwer zugänglichen Bergregionen
Im Gegensatz zu anderen Arten lassen sich einzelne Rote Pandas nicht anhand ihrer Fellzeichnungen eindeutig auseinanderhalten. Es ist also fast unmöglich, sie durch Aufnahmen aus Kamerafallen zweifelsfrei zu identifizieren und zu zählen. Abhilfe schaffen nur genetische Untersuchungen. Ranger:innen sammeln deshalb systematisch Kotproben der Roten Pandas, die im Nachbarland Indien im Labor genetisch ausgewertet werden.
Doch wo soll man anfangen, nach Hinterlassenschaften von Pandas in den weiten, zerklüfteten Bergregionen zu suchen? Um möglichst viele Proben effektiv und gezielt sammeln zu können, hat der WWF zunächst eine Wahrscheinlichkeitskarte für die Verbreitung der Roten Pandas erstellt. Grundlage waren Beobachtungen von Schutzgebietspatrouillen und Daten aus allgemeinen Monitorings, die übereinandergelegt wurden. So gehen die Ranger:innen nur Strecken ab, in denen mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent Rote Pandas leben.
Roter Panda oder Stachelschwein?
Der Kot der Roten Pandas ähnelt stark jenem von Stachelschweinen. Vor allem bei nicht mehr frischem Kot ist kaum eine Unterscheidung möglich. Außerdem sind Genproben extrem sensibel. Bei unsachgemäßem Umgang kommt es schnell zur Kontaminierung mit fremder DNA. Der WWF schult deshalb das Feldpersonal genau und hat ein Handbuch zur Probennahme entwickelt.
Laut letztem Stand der genetischen Untersuchungen leben in Bhutan noch gut 300 Rote Pandas. „Viele sind das nicht“, so Dr. Stefan Ziegler, Asien Referent beim WWF Deutschland. „Eine Krankheitswelle könnte sie alle auslöschen.“ Trotzdem machen selbst solche Zahlen Hoffnung. Die DNA-Proben deuten auf eine gute genetische Vielfalt der Panda-Bestände in Bhutan – auch wenn man sogar an den Genen vergangene Bedrohungen ablesen kann! Wichtig sind nun effektive Schutzmaßnahmen, damit die Zahlen steigen können.
Den Roten Panda schützen - mit den Menschen vor Ort
Die Bevölkerung hat sich seit 1980 mehr als verdoppelt. Immer mehr Wald wird für Straßen, Siedlungen und Wasserkraftwerke gerodet. Weil ein großer Teil des Panda-Lebensraums in Bhutan außerhalb der Schutzgebiete liegt, kann der Rote Panda nur mit Hilfe der Gemeinden effektiv geschützt werden. Daher bemüht sich der WWF, die Menschen Bhutans in die Umweltschutzarbeit mit einzubeziehen. In Workshops wird das Bewusstsein von Lokalbevölkerung und Regierungsbediensteten für die Bedrohung der Pandas geschärft.
Eine Ursache sowohl für die Vernichtung des Waldes als auch für die Wilderei ist die Armut der Bevölkerung. Das Schaffen von neuen, lohnenden Erwerbsquellen als Alternative zur Naturzerstörung kann deshalb wirksam zum Artenschutz beitragen. Der WWF unterstützt die Menschen vor Ort darin, Heilpflanzen und andere Waldprodukte auf nachhaltige Weise zu ernten. Die lokale Bevölkerung hat dann mehr davon, die Wälder zu schonen, als sie abzuholzen. Auch ein Rückfall in die Wilderei wird damit umso unwahrscheinlicher.
Waldweiden und wilde Hunde
Eine große Bedrohung der Roten Pandas sind die sogenannten Waldweiden: Die lokalen Hirtinnen und Hirten treiben ihr Nutzvieh in die Wälder – und dieses zerstört den Bambus, die wichtigste Nahrungsquelle der Roten Pandas. Das muss nicht sein. Der WWF unterstützt die Bevölkerung darin, Grasflächen als Weideland und Quellen außerhalb der Wälder anzulegen und zu erhalten. Wir informieren außerdem darüber, wie wichtig es ist, die eigenen Hunde zu impfen. Denn Hütehunde und viele verwilderte Tiere, die von ihren Besitzer:innen nicht mehr gefüttert werden, übertragen möglicherweise Staupe oder Tollwut, die für Katzenbären tödlich sind. Von den Impfungen der Hunde profitiert auch die Bevölkerung. Schließlich ist in diesem Teil der Welt die Tollwut noch endemisch.
Vergangene Untersuchungen zeigen, dass über den Roten Panda und seine Bedrohungen in der Bevölkerung Bhutans nur wenig bekannt ist. Um heute schon die Katzenbären von morgen zu schützen – und mit ihnen wertvolle Natur für viele weitere Arten und uns Menschen – klären wir in Umweltclubs in Schulen über den Schutz der Tiere und ihres Lebensraumes auf.
Jedes Verbreitungsland zählt!
Auch im angrenzenden Indien und in Nepal schützt der WWF die Roten Pandas und ihre Lebensräume und fördert eine grenzübergreifende Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Ziel: Die besonderen Katzenbären auf unserer Erde zu erhalten!
Der Rote Panda ist das Wappentier des kleinen indischen Bundestaats Sikkim, der im südlichen Himalaya eingezwängt zwischen China, Nepal und Bhutan liegt und erst 1975 der Indischen Union beitrat. Über zehn Jahre lang war der WWF Deutschland dort aktiv und hat sich erfolgreich für den Schutz des Roten Pandas eingesetzt. 240 Hektar Lebensraum wurden durch Aufforstung zurückgewonnen und die Wilderei stark eingedämmt. „Bevor sich der WWF des Roten Pandas angenommen hat, waren die Tiere de facto schutzlos. Wir sind Deutschland dafür sehr dankbar, dass sich das geändert hat“, versichert Priya Shrestha vom WWF-Büro Sikkim.
„Der Rote Panda, wissenschaftlich Ailurus fulgens genannt, schien mit seinem Latein fast am Ende. Als Überlebenskünstler hat er zwar die letzte Eiszeit in den Bergregionen des Himalaja-Bogens überlebt, doch nun setzen ihm Waldverlust, Wilderei und der Klimawandel stark zu. Doch es gibt Hoffnung, denn durch unsere Arbeit vor Ort, verstehen wir immer besser, die Ansprüche der Art an seinen Lebensraum und können so wichtige Schutzmaßnahmen treffen.“
Dr. Stefan Ziegler, Asienexperte beim WWF Deutschland
Der Rote Panda als Inspiration
Dass der Rote Panda ein ganz besonderes Tier ist, hat im Übrigen auch die „Mozilla-Foundation“ erkannt. Der „Firefox“, einer der meistbenutzten Internet-Browser der Welt, verdankt seinen Namen nämlich eben jenem kleinen drolligen Katzenbären. Allerdings haben die Logo-Designer nicht genau hingeschaut, denn der Firefox ähnelt tatsächlich mehr einem Fuchs als einem Roten Panda.
So können Sie dem Roten Panda helfen
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