Der WWF fordert eine neue Dynamik auf dem Weg zur Klimaneutralität und im Kampf gegen den anhaltenden Biodiversitätsverlust. Um eine umwelt- und klimagerechte Politik in Deutschland zu stärken, braucht es neben der fachpolitischen Arbeit strukturelle Veränderungen im politischen System. Die institutionellen Voraussetzungen für ein Regieren innerhalb ökologischer Belastungsgrenzen müssen daher neu justiert werden.
Der WWF hat einen umfassenden Forderungskatalog zur Bundestagswahl 2021 erstellt. Darin werden politische Erwartungen an den Bund formuliert, damit konsequenter Klimaschutz, nachhaltiges Wirtschaften und engagierte Biodiversitätspolitik in den entscheidenden vier Jahren, die vor uns liegen, Hand in Hand gehen. Hierfür braucht es ein starkes politisches Mandat, denn: Nur mit Tatkraft und Mut lässt sich eine lebenswerte Zukunft erfolgreich gestalten.
Die zentralen Forderungen des WWF
1. Umsetzung des Europäischen Green Deals
Umsetzung des Europäischen Green Deal als Grundlage für die nötige sozialökologische Transformation; außerdem offensives Engagement für mehr Nachhaltigkeit in der EU sowie die rasche finale Ausarbeitung und Umsetzung der EU-Biodiversitäts- und Farm-to-Fork-Strategien.
2. Mutiger Durchbruch bei Klimaschutz und Energiewende
Rahmensetzung für ein Jahrzehnt der Umsetzung durch Anhebung des Minderungszieles auf 70 Prozent bis 2030 und Anpassung der Sektorziele im Bundesklimaschutzgesetz, massive Tempoerhöhung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 80 Prozent am Bruttostromverbrauch bis 2030 und eine Strategie für den Ab- und Umbau aller klima- und umweltschädlichen Subventionen.
3.Dekarbonisierung der Industrie
Dekarbonisierung der Industrie mit geeigneten Instrumenten und finanzieller Ausstattung, um eine Umstellung der gesamten industriellen Rohstoff- und Energieversorgung auf eine nachhaltige Produktionsweise zu ermöglichen.
4. Nachhaltige Beschaffung
Konsequente Vergabe öffentlicher Aufträge im Einklang mit den Politikzielen des Pariser Klimaabkommens, der Sustainable Development Goals (SDGs), der EU-Taxonomie-Verordnung sowie den EU Green Public Procurement Guidelines, erweitert um zirkuläre Kriterien.
5. Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie
Entwickeln einer umfassenden Kreislaufwirtschaftsstrategie mit ambitionierten nationalen Zielen, einer nachhaltigen Produktpolitik, Stärkung von Sekundärrohstoffmärkten sowie Transparenzmaßnahmen zur Stärkung des Verbrauchers.
6. Aufbau verantwortungsvoller und nachhaltiger Lieferketten
Gesetze und Maßnahmen zum Aufbau verantwortungsvoller und nachhaltiger Lieferketten ohne illegale und legale Abholzung, illegale Fischereiaktivitäten und Überfischung und ohne Umwandlung oder Degradierung natürlicher Ökosysteme – einschließlich verlässlicher Achtung der Menschenrechte und Gewährleistung nachhaltiger Anbaumethoden und Fischereiaktivitäten.
7. Stoppen und Umkehren des internationalen Biodiversitätsverlustes
Intensivierung des Engagements zum Stoppen und Umkehren des internationalen Biodiversitätsverlustes bis 2030 unter starker Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure und der Behandlung von Biodiversitäts- und Klimaschutz als integralem Bestandteil internationaler Prozesse und Erhöhung des deutschen Beitrags zur internationalen Biodiversitätsfinanzierung auf zwei Milliarden Euro im Laufe der nächsten Legislatur.
8. Mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft
Verabschiedung wirksamer politischer Maßnahmen zu Erhalt und Förderung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft, Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) und ein Neustart in der Ernährungspolitik.
9. Ambitionierte Neuauflage der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Ambitionierte Neuauflage der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) als Aktionsplan mit klaren und konkreten Zielen und Maßnahmen und ressortübergreifender Verbindlichkeit (Biodiversität).
10. Neue Weichenstellung zum Schutz der Meere
Neue Weichenstellung auf globaler, europäischer und nationaler Ebene zum Schutz der Meere sowie kohärente Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Wiederherstellung und zum Erhalt der marinen Biodiversität.
11. Bessere Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie
Bessere und ambitioniertere Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie weitere Anstrengungen beim Wasserschutz.